Ein Teil der europäischen Regionen ist für die Mehrheit der Covid-Todesfälle verantwortlich

Einige Regionen melden seit März bis zu dreimal so viele Todesfälle wie üblich, aber ein großer Teil Europas hat die erste Welle der Corona-Pandemie ohne zu viele übermäßige Todesfälle überlebt. Um die Ausbreitung des Virus besser zu verstehen, haben wir subnationale Daten aus 500 europäischen Regionen gesammelt.

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Während sich die erste Welle des Coronavirus dem Ende neigt, werden die Grenzen wieder geöffnet und die Sperrmaßnahmen aufgehoben. Unterdessen können wir uns ein immer umfassenderes Bild von den bisherigen Todesopfern der Pandemie machen.

Daten aus 20 europäischen Ländern zeigen, dass seit März über 200.000 Menschen mehr als üblich gestorben sind. In diesem Artikel werden wir uns mit dieser überhöhten Zahl der Todesopfer befassen. 

In den letzten Monaten haben wir Tonnen von nationalen Coronavirus-Vergleichen gesehen. Aber der Vergleich von Nationen ist leicht irreführend. Die Ausbreitung der Pandemie ist eher regional als national. 

Unsere Analyse zeigt, dass die Todesfälle geografisch sehr ungleich verteilt sind. Um die Ausbreitung des Virus besser zu verstehen, haben wir Daten über übermäßige Todesfälle aus 500 subnationalen Regionen gesammelt. Auf diese Weise haben wir festgestellt, dass die 50 betroffensten Regionen für knapp die Hälfte aller übermäßigen - oder „unnormalen“ - Todesfälle verantwortlich sind.

Ungleiche Verteilung in Italien und Schweden

Wenn wir die regionalen Sterbefälle mit überhöhter Sterblichkeit in ganz Europa vergleichen, fallen mehrere italienische Regionen auf. Bergamo in Norditalien ist einer der ersten Orte, an denen das Coronavirus in Europa aufgetreten ist. Bis Ende April gab es in dieser Provinz eine um ein Vielfaches höhere Sterblichkeitsrate als gewöhnlich.

Allerdings ist die Ausbreitung des Coronavirus in ganz Italien geografisch auf den Norden des Landes konzentriert, was darauf hindeutet, dass es relativ eingedämmt wurde. In vielen Regionen im Süden des Landes ist die Zahl der Todesfälle normal.

Dieses Diagramm zeigt, wie stark die überzähligen Todesfälle in Italien variieren.

Ähnlich sieht es in Schweden aus, das ebenfalls schwer vom Coronavirus betroffen ist. Der Großteil der überzähligen Todesfälle des Landes ereignete sich in der Hauptstadtregion, wo eine unglücklich getaktete Halbzeitpause dazu führte, dass Tausende gerade dann aus den Alpen zurückkehrten, als sich die neue Krankheit dort ausbreitete.

In Stockholm sind während der Pandemie 71 Prozent mehr Menschen als üblich gestorben, d. h. mehr als in allen – bis auf 31 der 500 – europäischen Regionen, die wir analysiert haben. Ein ähnliches Ausmaß weisen Katalonien und Brüssel auf. In weiten Teilen Schwedens war die Zahl der Todesfälle jedoch normal oder annähernd normal.

Das Vereinigte Königreich fällt wiederum durch eine ziemlich gleichmäßige Ausbreitung der Krankheit auf. Bis auf eine Ausnahme weisen alle Regionen signifikante übermäßige Todesfälle auf.

Auf der anderen Seite blieben viele Regionen unberührt

136 der 500 europäischen Regionen (27 Prozent) berichten über eine signifikante Anzahl von überzähligen Todesfällen. Während der Pandemie entspricht das mindestens 25 Prozent mehr Todesfällen als gewöhnlich. Weitere 158 Regionen melden etwas mehr Todesfälle als normal.

Obwohl Tausende von Menschen ums Leben gekommen sind, ist es bemerkenswert, dass fast die Hälfte aller Regionen in den 20 untersuchten europäischen Ländern trotz der Pandemie eine mehr oder weniger normale Zahl von Todesfällen zu verzeichnen hat.

In der Slowakei, Litauen und Bulgarien haben alle (oder fast alle) Regionen normale Sterbeziffern gehabt. Und selbst in schwer betroffenen Ländern wie Italien, Frankreich und Schweden haben beträchtliche Teile der Länder keine übermäßigen Todesfälle verzeichnet. 

Methodik

Unsere Analyse basiert auf Daten, die tägliche oder wöchentliche Gesamt-Todesfälle in jeder Region zeigen, und die von Eurostat und den nationalen statistischen Ämtern erhoben wurden (Großbritannien: ONS, NRS und NISRA; Deutschland: Destatis; Spanien: ISCIII; Niederlande: CBS).

Auf diese Weise haben wir so viele geografisch granulare Daten wie möglich gesammelt (meist auf der NUTS3-Ebene). Allerdings wurden in Ländern wie Deutschland und dem Vereinigten Königreich nur Daten der NUTS1-Ebene veröffentlicht, und in den Niederlanden nur NUTS2. Eine Reihe von Ländern in Mittel- und Osteuropa habt keine regionalen Statistiken über übermäßige Todesfälle gemeldet. Diese wurden in dieser Analyse demzufolge nicht berücksichtigt.

Berechnet wurden die überschüssigen Todesfälle durch den Vergleich aller seit Beginn der Pandemie gemeldeten Todesfälle in einer Region mit der durchschnittlichen Zahl der Todesfälle in diesem Zeitraum in den vorangegangenen Jahren.

Für die meisten Länder liegt der Durchschnitts-Zeitraum bei 2015-2019. Für andere Länder stehen weniger Daten aus den letzten Jahren zur Verfügung. Es wurden aber mindestens zwei volle Jahre verwendet. Einige Länder, wie Spanien, haben die erwartete Zahl der Todesfälle für 2020 modelliert, anstatt historische Zahlen zu liefern.

Eine Region wurde als Region mit überzähligen Todesfällen definiert, wenn die gemeldeten Todesfälle mindestens 5 Prozent höher und 20 mehr als erwartet waren. Wenn die Todesfälle mindestens 25 Prozent höher waren als erwartet, haben wir sie als eine Region mit „signifikantem Überschuss“ definiert.

"Verfügbare Übersetzungen
Mittwoch, 24. Juni 2020

Autor/en:

Clara Guibourg

Quelle/n:

Newsworthy

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop
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