Trotz Klimazielen fördert die EU Fleisch

In den vergangenen drei Jahren hat die Europäische Union rund 71,5 Millionen Euro für Programme zur Förderung von europäischem Fleisch bereitgestellt. Dies wirft Fragen nach der Vereinbarkeit dieser Ausgaben mit den erklärten Klimazielen der Union auf.

Fleisch und Milcherzeugnisse sind im Vergleich zu Gemüse und Obst emissionsintensiv, zumal eine fleischreiche Ernährungsweise im Vergleich zu einer vegetarischen die Treibhausgasemissionen ungefähr verdoppelt. Mit der wachsenden Mittelschicht in Ländern wie China und Indien wird der globale Fleischkonsum zudem voraussichtlich ansteigen.

Angesichts der parallelen Verpflichtungen der EU zur Bekämpfung des Klimawandels erscheint es kontraproduktiv, dass die EU Lebensmittel fördert, die zu den klimaschädlichsten Nahrungsmitteln gehören. Eines der von der EU mitfinanzierten Programme ist „What a Wonderful Beef“ [Welch wunderbares europäisches Rindfleisch!], das spanisches Rindfleisch in Hong Kong, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Vietnam fördert.

Die EU steuert 1,8 Millionen Euro bei, d. h. 80 Prozent des gesamten Kampagnen-Budgets, und hat folgende Ziele für die Kampagne festgelegt: „Steigerung der Produktbekanntheit, Schaffung eines hohen Maßes an Produktrelevanz, Erhöhung der Produktpräferenz, Vergrößerung des Marktanteils landwirtschaftlicher Erzeugnisse der Union und Zunahme der Zahl der exportierenden Unternehmen in der EU“. Die Website der Kampagne listet die Vorteile des Rindfleischkonsums auf und erklärt, dass es sich um eine „protein- und vitaminreiche Nahrung handelt, die für eine gesunde und ausgewogene Ernährung unerlässlich ist“. Ein online-Werbefilm zeigt gesund aussehende Kühe und wunderschöne Perspektiven der spanischen Landschaft, die von motivierender Werbemusik begleitet werden. Die spanische Erzählstimme wurde mit chinesischen Untertiteln unterlegt. Die Website oder das Video der Kampagne erwähnt jedoch nicht, welche negativen Auswirkungen der Verzehr von Rindfleisch auf das Klima hat.

Eine Studie über die USA aus dem Jahr 2017 besagt, dass die USA – wenn alle Amerikaner ihr Rindfleisch durch Bohnen ersetzt hätten – bereits die Hälfte bzw. sogar die drei Drittel des Weges zu ihren Klimazielen für 2020 zurückgelegt hätten. Die Förderprogramme der EU sind in zwei Kategorien unterteilt: „Einfach“, d.h. sie wurden von einem einzigen EU-Staat angefordert, und „Multi“, d.h. sie sind grenzüberschreitend. In den Jahren 2016 und 2017 wurden jährlich rund 16 Millionen Euro aus dem EU-Haushalt für einfache Projekte für Fleisch-Programme bereitgestellt. Im Jahr 2018 stieg dieser Betrag auf 22 Millionen Euro.

Im Jahr 2017 gab die EU zudem 17,5 Millionen Euro für drei Programme zur Förderung von Fleisch aus mehreren EU-Ländern aus: Ein spanisch-ungarisches Programm für Ziegen- und Schaffleisch, eine deutsch-französisch-irisch-britische Lamm-Kampagne, sowie ein spanisch-portugiesisches Programm zur Förderung von Kaninchenfleisch. Der Gesamtbetrag könnte noch höher sein, da einige Projektnamen nicht verraten, ob Fleisch zu den beworbenen Produkten gehört. Von allen Fleischsorten hat Rindfleisch den höchsten Kohlendioxid-Fußabdruck, gefolgt von Fleisch von anderen Wiederkäuern wie Ziege und Schaf.

Eine Studie aus dem Jahr 2014 über den Konsum tierischer Produkte in der EU ergab, dass der Verzehr von 50 Prozent weniger Fleisch, Milchprodukten und Eiern die Treibhausgasemissionen in Europa durch die Landwirtschaft um 25 bis 40 Prozent senken würde. Die Förderung von Milcherzeugnissen hat folglich Auswirkungen auf die globale Erwärmung. Dabei hat die EU in den letzten drei Jahren mindestens 63 Millionen Euro zur Förderung europäischer Milch- und Käseprodukte bereitgestellt.

Sogar die Europäische Kommission selbst erklärte im November letzten Jahres in unterstützenden Dokumenten für ihre Arbeit zu einer langfristigen Klimastrategie, dass „moderate Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten“ hin zu weniger Fleisch bei den Europäern „die Emissionen aus der landwirtschaftlichen Produktion deutlich reduzieren könnten“. Zwar lehnte die EU-Kommission eine Gelegenheit zur Stellungnahme ab, jedoch stellte sie eine Quelle zur Verfügung, um unter der Bedingung der Anonymität eine schriftliche Erklärung anzugeben.

„Alle landwirtschaftlichen Produkte und Sektoren werden gleichbehandelt“, heißt es in dieser Erklärung, die ebenfalls besagt, dass die Auswahl der Projekte „nach einem strengen und definierten Verfahren“ erfolgt, an dem Interessenvertreter, Mitgliedstaaten und externe Gutachter beteiligt sind. „Die Förderung von EU-Lebensmittelprodukten und ihrer Qualität in der EU und weltweit ist wichtig für die Kommission, welche die Erzeuger bei der Erschließung neuer Märkte und der Verbreitung des guten Rufes ihrer Produkte unterstützt“, lautet die Erklärung.

Ariel Brunner, Umweltaktivist im Brüsseler Büro der Natur-Lobby-Gruppe Birdlife, widersetzte sich der Förderung von Fleischprodukten mit Mitteln aus dem EU-Haushalt, weil die Programme „vollkommen nachhaltigkeits-blind“ sind. „Wir fördern europäische Exporte, unabhängig davon, ob diese Exporte gut oder schlecht für den Planeten oder gar für die Menschen sind“, meint Brunner, Senior Head of Policy. Ferner nahm er auch ein weiteres EU-Programm ins Visier, das jedes Schuljahr 100 Millionen Euro für die Lieferung von Milchprodukten für europäische Schulkinder bereitstellt. „Das Schulmilchprogramm ist im Grunde genommen nur eine weitere versteckte Beihilfe für den Milchsektor“, erklärt Brunner. Stattdessen sollte die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU den Landwirten beim Übergang zu einer weniger intensiven Produktion und Produkten mit geringeren Umweltauswirkungen helfen, fügt er hinzu.

Im vergangenen Monat veröffentlichte die Umwelt-Lobbygruppe Greenpeace einen Bericht, der zu dem Schluss kam, dass zwischen 28,5 und 32,6 Milliarden Euro an GAP-Subventionen für Landwirte letztendlich den Tierhaltungs-Sektor unterstützen . Die Kommission wies den Bericht als „theoretische Berechnung“ zurück, lieferte aber keinerlei alternative Zahlen.

Molkerei-Mega-Farm

Das idyllische Bild der spanischen Viehzucht, das im Video What a Wonderful Beef dargestellt wird, deckt sich nicht mit allen spanischen Landwirtschaftsbetrieben. Im vergangenen Monat unterzeichnete eine parteiübergreifende Gruppe von 33 EU-Abgeordneten eine Erklärung , in der die spanischen Behörden aufgefordert wurden, den Bau eines Milchviehbetriebs mit bis zu 23.500 Kühen zu verhindern. „Wenn diese Mega-Farm letzten Endes entsteht, wäre sie der größte Milchviehbetrieb der Europäischen Union“, so die EU-Abgeordneten.

Von PETER TEFFER, Grafische Darstellungen von KASHYAP RAIBAGI (EDJNET)

Mittwoch, 13. März 2019

Autor/en:

Peter Teffer

Quelle/n:

EUobserver

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop
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