Weniger Antibiotika in europäischen Landwirtschaftsbetrieben

Der falsche Einsatz von Antibiotika, die Tieren verabreicht werden, begünstigt die Entstehung resistenter Bakterien. Obwohl die Verwendung in der EU abnimmt, bleiben diese Phänomene eine Bedrohung für die menschliche Gesundheit.

Foto: PxHere

Sowohl bei Menschen als auch bei Tieren führt ein übermäßiger oder unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika zu Antibiotika-Resistenzen. Angesichts der engen Verflechtung von Menschen und Tieren, die sich im selben Milieu befinden, stellt die tierärztlich missbräuchliche Verwendung dieser Moleküle ein großes Problem der öffentlichen Gesundheit des Menschen dar.

Der vernünftige Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ist eine Notwendigkeit, zumal „60 Prozent der Krankheitserreger, die in der Lage sind, Menschen krank zu machen und so Zoonosen zu verursachen, d. h. menschliche Krankheiten tierischen Ursprungs, stammen von Haus- oder Wildtieren“, stellt die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) fest. Diese Krankheitserreger können dann von einer Person auf eine andere übertragen werden, entweder durch Wechselwirkungen zwischen Menschen und Tieren oder durch Lebensmittel (Milch, Fleisch, Eier usw.).

Umsatzrückgang

In Europa, wie auch anderswo auf der Welt, wird die Mehrheit der verkauften Antibiotika von Tieren konsumiert. Daher ist es notwendig, den Verbrauch dieser Moleküle in den landwirtschaftlichen Betrieben zu verfolgen und zu überwachen. Laut dem Bericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) sank die Menge der an europäische Tierhaltungsbetriebe verkauften Antibiotika zwischen 2011 und 2016 um 18,5 Prozent auf 7.400 Tonnen. Im Einzelnen entspricht dies für das Jahr 2016 einem Durchschnitt von 129,4 mg Wirkstoff pro Kilogramm Tiermasse. Zypern, Spanien, Italien und Portugal sind die größten Verbraucher von Antibiotika für den tierärztlichen Gebrauch. 

In diesem Zeitraum verzeichneten 16 von 25 europäischen Staaten einen deutlichen Rückgang (mehr als 5 Prozent) des Umsatzes von Veterinärantibiotika, während sechs weitere Länder einen schnellen Anstieg ihrer Umsätze (mehr als 5 Prozent) verzeichneten. Trotz dieses deutlichen Rückgangs in den meisten europäischen Ländern gibt es große Unterschiede zwischen den europäischen Ländern.

Mehrere Faktoren erklären die Unterschiede zwischen den Ländern. Erstens: Der Tierbestand ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Schweine-, Rinder-, Schaf- oder Geflügelfarmen verwenden weder die gleichen Antibiotika noch dieselben Mengen. Auch der intensive oder extensive Charakter der Betriebe spielt eine Rolle. Dosierungen und Behandlungsdauer, die nicht in diesen Daten enthalten sind, stellen einen zweiten Faktor dar, der die Unterschiede bei der Verwendung zwischen den Staaten erklärt. Einige Antibiotika sind aktiv, wenn sie niedriger dosiert sind als andere. Ebenso erfordert jede Tierspezies eine unterschiedliche Dosierung für das gleiche Molekül.

Obwohl ihre Verwendung als Wachstumsförderer in europäischen Zuchtfarmen seit 2006 verboten ist, bestehen einige Verwendungen fort und tragen zur Entstehung und Selektion resistenter Bakterien bei. Neben der Behandlung von kranken Tieren werden sie auch präventiv eingesetzt, wenn ein Infektionsrisiko besteht, ohne dass die Tiere bereits erkrankt sind (z. B. in der Intensivtierhaltung), oder um den gesamten Viehbestand zu behandeln, wenn nur ein Teil infiziert ist.

Weiterentwicklung der Praktiken

Diese positive Entwicklung ist Teil des von den europäischen Staaten geführten Kampfes gegen die Antibiotikaresistenz. Nach Angaben der EMA lässt sich der Rückgang der Medikamenten-Verkäufe in den meisten europäischen Ländern mit „der Durchführung von Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen für den sinnvollen Einsatz von Antibiotika und die Verbesserung des Wissens über die Gefahren der Antibiotikaresistenz“ erklären. Die WHO ist ihrerseits der Ansicht , dass „Antibiotika-Ersatz bei der Prävention von Tierkrankheiten“ vor allem bedeuten muss: „mehr Hygiene, ein verbesserter Einsatz von Impfstoffen, und Veränderungen in der Tierhaltung und -aufzucht“.

Solche Kampagnen, an denen sowohl Landwirte als auch Tierärzte beteiligt sind, wurden in Europa gestartet, um neue Praktiken in der europäischen Tierhaltung umzusetzen. So hat Norwegen beispielsweise in den 1990er Jahren beschlossen , den Einsatz von Antibiotika in seinen Fischzucht-Betrieben zu verbieten und Lachse zu impfen. Das Land hat auch Hygienevorschriften definiert, um Infektionen in seinen Betrieben zu begrenzen und so den Einsatz von Antibiotika weiter zu reduzieren. In Dänemark hat eine Politik der Überwachung des Antibiotika-Einsatzes in Schweinehaltungs-Betrieben die Abhängigkeit der Landwirte von Antibiotika verringert.

Die Europäische Union will auch in diesem Bereich tätig werden und hat im Oktober 2018 eine Rechtsvorschrift erlassen, um den Einsatz von Antibiotika in landwirtschaftlichen Betrieben zu verringern und eine bessere Überwachung des Verkaufs und der Verwendung von Antibiotika zu fördern. Zu den ergriffenen Maßnahmen gehören das Verbot des präventiven Einsatzes von Antibiotika für Massenbehandlungen, die Möglichkeit, bestimmte Antibiotika dem Menschen vorzubehalten, und die Verpflichtung, die europäischen Kriterien für importierte Lebensmittel einzuhalten.

Mittwoch, 27. März 2019

Autor/en:

Antoine Vergely

Quelle/n:

VoxEurop

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop
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