Immer mehr prekäre Arbeitsplätze

In den letzten Jahren ist der Anteil unsicherer Beschäftigungsverhältnisse – d.h. befristeter, atypischer, selbständiger, und auf Abruf – in ganz Europa gestiegen.

Foto: Jeanne Menjoulet/Flickr

Nieder mit der Unsicherheit! In Frankreich ziehen die Sozialpartner, die derzeit über die Regeln der Arbeitslosenversicherung diskutieren, auch die Einführung eines Bonus-Malus-Systems für Kurzarbeit in Erwägung. Kein Wunder: Der Anteil der befristeten Verträge an der bezahlten Beschäftigung ist in den letzten 35 Jahren stark gestiegen, von 6 Prozent im Jahr 1982 auf 12 Prozent im Jahr 2017.

Während unbefristete Verträge die Regel bleiben, machen befristete Verträge 87 Prozent der Neueinstellungen aus. Der Anteil der Tagesverträge an den befristeten Verträgen stieg von 8 Prozent im Jahr 2001 auf 30 Prozent im Jahr 2017. Generell machen befristete Verträge mit einer Laufzeit von weniger als drei Monaten etwas mehr als 5 Prozent der Gesamtbeschäftigung aus. Ein Rekord in der gesamten Eurozone. Innerhalb der Europäischen Union schneidet nur Kroatien schlechter ab (7,1 Prozent).

Ist dies ein Beweis dafür, dass der französische unbefristete Arbeitsvertrag zu sehr beschützt, was die Arbeitgeber ermutigen würde, befristete Arbeitsverträge zu bevorzugen? Eine solche Schlussfolgerung wäre vorschnell. Zumal der französische unbefristete Vertrag weniger schützt, als es scheint. Hinzukommt außerdem, dass sich die Prekarität in anderen Ländern auf unterschiedliche Art und Weise spürbar macht, insbesondere durch die Vervielfachung der Zahl der Teilzeitstellen. Bis auf wenige Ausnahmen sind Länder, die prekäre Verträge besonders mögen, diejenigen mit den wenigsten Teilzeitarbeitsplätzen.

Ein weiteres aufkommendes Phänomen ist die Zunahme von sehr kurzfristigen Verträgen bei demselben Arbeitgeber. Laut Unédic sind in Frankreich zwei Drittel der befristeten Verträge mit einer Laufzeit von einem Monat oder weniger davon betroffen. Diese Form der Arbeit, die manchmal auch als „On-Call-Working“ bezeichnet wird (Arbeit auf Abruf), entwickelt sich laut Eurofound in einer beträchtlichen Anzahl europäischer Länder. Mehr als 2 Prozent der Erwerbsbevölkerung in Österreich, der Tschechischen Republik, Finnland und dem Vereinigten Königreich sollen davon betroffen sein. Auch in den Niederlanden, Schweden, Italien und Norwegen ist dieser Anteil bedeutsam.

Ferner entwickeln sich andere Formen der prekären Beschäftigung. Dies gilt für die Selbständigkeit, die in den Niederlanden und im Vereinigten Königreich in zehn Jahren deutlich zugenommen hat, aber auch in Frankreich vermehrt zu beobachten ist.

Kurz gesagt, unabhängig von der gewählten Form nimmt die Fragmentierung der Beschäftigung zu, insbesondere für die am wenigsten qualifizierten Personen.

Montag, 17. Dezember 2018

Autor/en:

Laurent Jeanneau

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop

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