Führungskräfte: eine männliche Welt

Schaut man sich die Gehaltstabelle von oben nach unten an, fällt auf, dass sich die beruflichen Ungleichheiten auf allen Stufen bemerkbar macht. 

Foto: Maxipixel

Der Kurzbericht von Eurofound , der Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Europäischen Union, zeigt das Ausmaß der Ungleichheiten für Frauen in Führungspositionen einmal mehr. „In Europa sind doppelt so viele Männer wie Frauen in Führungspositionen tätig“, resümieren die Autoren den Bericht von Anfang an.

Während die Bevölkerung der Nicht-Führungskräfte, die 80 Prozent der Erwerbsbevölkerung ausmacht, zu gleichen Teilen aus Frauen (51 Prozent) und Männern (49 Prozent) besteht, ist die der Führungskräfte nur zu 36 Prozent weiblich. Darüber hinaus ist diese Unterrepräsentation bei hierarchischen Verantwortlichkeiten noch viel ausgeprägter.

Darüber hinaus sind Frauen in hierarchischen Verantwortungs-Positionen viel häufiger für Frauen verantwortlich als für Männer. Infolgedessen wird die Hälfte aller Frauen in Europa von einer Verantwortlichen (Managerin) geführt, verglichen mit nur 15 Prozent der Männer. Zudem „führen Frauen eher jüngere Arbeitnehmer (unter 35 Jahren) als andere Altersgruppen, sowie Arbeitnehmer mit Teilzeit- oder befristeten Arbeitsverträgen, oder ohne Arbeitsverträge“, fügt die Studie hinzu.

Frankreich auf der Rangliste ganz unten

Die Situation ist natürlich von Land zu Land unterschiedlich. Nur Lettland, Zypern, Bulgarien, Ungarn und Litauen zählen mehr als 40 Prozent weibliche Führungskräfte. Ganz am Ende der Rangliste stehen Griechenland und die Tschechische Republik mit 26 Prozent bzw. 27 Prozent Frauen. Frankreich liegt mit nur 33 Prozent weiblichen Führungskräften unter dem kontinentalen Durchschnitt.

Was die Typologie der Arbeitgeber betrifft, so sind nur gemeinnützige Organisationen und der öffentliche Sektor auf Augenhöhe miteinander, oder sogar Frauen-überzählig. Allerdings zählen diese Sektoren nur wenige Beschäftigte, da die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer im Privatsektor arbeitet, in dem nur 32 Prozent weibliche Führungskräfte beschäftigt sind.

Die Erhebung über die Arbeitsbedingungen zeigt auch, dass es für Frauen mehr Spannungen zwischen Beruf und Familie gibt als für Männer. Sie geben in der Tat an, dass sie weniger Zeit für ihre Angehörigen haben. Dies ist insbesondere auf längere Arbeitszeiten als für Männer zurückzuführen, wenn man die unbezahlte Arbeit, d.h. Hausarbeiten oder Kinderbetreuung, berücksichtigt.

„Frauen in Führungspositionen genießen nicht das gleiche Wohlbefinden [am Arbeitsplatz, Anmerkung der Redaktion] wie ihre männlichen Kollegen in gleichwertigen Positionen“. Das liegt insbesondere an den größeren Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Verpflichtungen. Um dies zu bewerkstelligen, müssen weibliche Führungskräfte viel mehr arbeiten als nicht-leitende Frauen und leitende Männer, und zwar bezahlt oder unbezahlt.

„Diese Feststellungen werfen die Frage auf, ob die Zahlung eines höheren Preises für den Antagonismus zwischen Beruf- und Privatleben ohne eine vergleichbare Verbesserung des Wohlbefindens die Attraktivität von Führungspositionen für Frauen verringert“, schließt die Studie.

Mittwoch, 13. März 2019

Autor/en:

Justin Delépine

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop
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