Frankreich, Besteuerungs-Europameister

Die französischen „Gelbwesten“, die seit mehr als einem Monat protestieren, fordern unter anderem eine Verringerung der Steuerlast. In dieser Hinsicht steht Frankreich in der Tat regelmäßig an der Spitze der europäischen Länder.

Foto: Lille, 1933 (Photo-Presse/Wikimedia )

Die Steuereinnahmen in Europa steigen weiterhin an. Zwischen 2016 und 2017 wuchsen sie dank der Wiederbelebung des Wachstums auf dem Kontinent um 209 Milliarden Euro, d. h. eine Zunahme von 3,5 Prozent (Steuern und Sozialabgaben zusammengenommen). Diese Einnahmen machen nun 40,2 Prozent des BIP der Europäischen Union aus.

Dieser Zuwachs ist in 15 Mitgliedsländern sowie in Norwegen und der Schweiz zu beobachten. Frankreich aber bleibt im dritten Jahr in Folge mit einer Steuerquote von 48,4 Prozent des BIP der Meister der Steuerbelastung in Europa. Knapp dahinter liegen Belgien (47,3 Prozent des BIP), Dänemark (46,5 Prozent) und Schweden (44,9 Prozent).

Diese von Eurostat veröffentlichten Daten liefern auch Informationen über die Steuerpolitik der einzelnen Staaten. Diese Steuereinnahmen berücksichtigen Einkommens-, Vermögens-, Produktions- und Importabgaben (einschließlich Mehrwertsteuer), aber auch Sozialbeiträge. Während Frankreich im Bezug auf Einkommen und Vermögen (16,4 Prozent) sowie Produktion und Einfuhren (12,8 Prozent) durchschnittliche Steuersätze aufweist, übertrifft es seine Nachbarn bei den Sozialabgaben bei weitem (2017 machten diese 18,8 Prozent des französischen BIP aus). Diese Rekordquote in Europa ermöglicht es Frankreich, sein auf der Umverteilung basierendes Sozialsystem zu finanzieren.

Schweden, dessen System ebenfalls bekannt ist, hat sich für ein anderes Modell entschieden. Der Anteil der Sozialbeiträge ist relativ gering (3,3 Prozent des BIP), wird aber durch eine höhere Besteuerung von Einkommen, Produktion und Einfuhren ausgeglichen. Es überrascht nicht, dass Irland am Ende der Liste steht. Die Steuereinnahmen machen nur 23,5 Prozent des BIP aus.

Dienstag, 11. Dezember 2018

Quelle/n:

VoxEurop

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop
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