Wo sich Deutschland am stärksten erwärmt

Die Erderwärmung trifft Deutschland: Überall steigt die Temperatur. Wir zeigen Ihnen, welche Regionen den kräftigsten Anstieg verzeichnen.

In ganz Europa sind die Temperaturen über die vergangenen Jahrzehnte angestiegen. Das zeigen Daten des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW), die das European Data Journalism Network (EDJNet) exklusiv auswerten konnte . Deutsche Orte sind von dieser Entwicklung natürlich nicht ausgenommen.

Einen besonders starken Anstieg zeigen die Daten entlang der Ostseeküste: In den untersuchten Gebieten rund um Stralsund, Rostock und Greifswald legte die Durchschnittstemperatur im bisherigen 21. Jahrhundert gegenüber dem 20. Jahrhundert demnach um rund 1,3 Grad zu. Rund um Schwerin, Flensburg, Kiel und Neumünster lag der Anstieg bei rund 1,2 Grad.

Die Werte sind mit Vorsicht zu interpretieren: Sie gelten nicht etwa für das jeweilige Stadtzentrum, sondern für größere Gebiete, innerhalb derer die Städte liegen (mehr zur Methode). Entlang der Ostseeküste ragen die untersuchten Gebiete teilweise ins Meer hinein, was die berechnete Temperaturveränderung verstärkt: Schon länger beobachten Klimaforscher , dass sich die Ostsee überdurchschnittlich stark erwärmt. Enthält ein untersuchtes Gebiet viel Meeresfläche, fällt der berechnete Temperaturanstieg daher besonders stark aus.

In 38 der 61 untersuchten Gegenden in Deutschland lag der so berechnete Anstieg bei mindestens einem Grad. Nirgends im Land ließ sich eine auch nur annähernd gleichbleibende Temperatur feststellen.

Höhere Temperaturen, mehr heiße Tage

Und so zeigt auch der bundesweite Trend deutlich nach oben: Nach Berechnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) stieg die Jahresmitteltemperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 um 1,4 Grad an.

Ungeachtet der genannten erhöhten Einzelwerte entlang der Ostseeküste liegt der Temperaturanstieg in Norddeutschland, betrachtet man die Landfläche als ganzes, unter dem Bundesschnitt. Einen stärkeren Temperaturanstieg zeigen die Daten des DWD für Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland. 

Ein Temperaturanstieg um die 1,4 Grad mag bei einer eher gemäßigten Jahresmitteltemperatur um die neun Grad, wie sie in Deutschland vorherrscht, nicht sehr spektakulär wirken. Er bedeutet aber etwa auch, dass die Zahl heißer Tage im Sommer zunimmt: Immer häufiger liegt die Tageshöchsttemperatur bei 30 Grad oder mehr.

So gab es beispielsweise während der Hitzewelle 2003 im bundesweiten Mittel 19 solcher heißen Tage. Nach dem warmen und trockenen Sommer in diesem Jahr  spricht vieles dafür, dass dieser Wert 2018 noch einmal übertroffen wird.

Montag, 22. Oktober 2018

Autor/en:

Marcel Pauly

Quelle/n:

Spiegel Online
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