Unter welchen Bedingungen leben junge Europäer?

Ungesunde Wohnungen, Armutsgefährdung oder soziale Ausgrenzung: Junge Europäer sind je nach Land stärker gefährdet als ihre Vorfahren.

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Junge Europäer haben mehr Probleme mit dem Wohnen als ihre Vorfahren. Zwei aktuelle Eurostat-Studien über die Wohnverhältnisse und das Risiko der sozialen Ausgrenzung zeigen dies.

Im Jahr 2017 waren 7 Prozent der jungen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren in der Europäischen Union zu 28 ernsthaften Wohnungsproblemen ausgesetzt. Das sind 2,5 Prozentpunkte mehr als für die Gesamtbevölkerung. Konkret bedeutet das, dass ihre Unterkünfte überfüllt und/oder zu dunkel sind, kein Badezimmer oder keine Toilette haben, oder ein Dach, durch das Wasser tropft. Zwischen den Ländern gibt es erhebliche Unterschiede: Fast ein Viertel der 15- bis 29-Jährigen in Rumänien leidet unter ernsthaften Wohnungsproblemen, verglichen mit 1,5 Prozent in Finnland. In 14 Mitgliedstaaten liegt dieser Anteil unter 5 Prozent.

 Der Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten jungen Menschen muss an diese Ergebnisse gekoppelt werden. Im Jahr 2017 waren es 29 Prozent der 16- bis 24-Jährigen, d. h. 14,3 Millionen junge Menschen. Gegenüber 2007 ist dies ein leichter Anstieg (0,6 Punkte).

Junge Frauen sind stärker betroffen, und vor allem sind sie es, die das Elternhaus früher verlassen: 62,9 Prozent der 16- bis 29-Jährigen leben bei ihren Eltern, gegenüber 73,3 Prozent der jungen Männer. Einige Jugendliche bleiben aus Sicherheitsgründen bei ihren Eltern, weil sie kein ausreichendes Einkommen haben oder weil sie zu Beginn ihres Berufslebens Schwierigkeiten haben. „In einem Kontext der Wirtschaftskrise ist das Verlassen des Elternhauses stärker vom Zugang zur Beschäftigung abhängig“, stellte eine Studie der Dress im Jahr 2014 fest.

Die Wohnungskosten wiegen etwas mehr auf den Schultern junger Menschen: 14,1 Prozent der 20- bis 24-Jährigen leben in Unterkünften, für die sie 40 Prozent oder mehr ihres entsprechenden verfügbaren Einkommens ausgeben, verglichen mit 10,2 Prozent für die gesamte Bevölkerung. Darüber hinaus ist ihre Kaufkraft in den meisten europäischen Ländern geringer als die der Gesamtbevölkerung.

Die Lebensbedingungen der jungen Europäer haben sich allerdings etwas verbessert: Zwischen 2012 und 2017 sank der Anteil der schwerwiegenden materiellen Entbehrungen (1) von 12 Prozent auf 8 Prozent.

1/Laut Eurostat bezieht sich dieser Indikator auf die Unfähigkeit, bestimmte Waren/Dienstleistungen zu beziehen, die von den meisten Menschen für einen akzeptablen Lebensstandard als wünschenswert oder sogar notwendig angesehen werden.

 

Montag, 25. Februar 2019

Autor/en:

Marie Deshayes

Quelle/n:

VoxEurop

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop

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