Russland und China verschaffen sich über Zypern Zugang zur EU

Die Tatsache, dass die Gespräche über die Wiedervereinigung Zyperns nach den von den UN geführten und im vergangenen Jahr gescheiterten Verhandlungen wieder aufgenommen werden sollen, bedeutet scheinbar, dass deutlich mehr zu verhandeln ist, als bisher ausgehandelt wurde.

Foto: Alessio Bragadini/Flickr

Die Tatsache, dass die Gespräche über die Wiedervereinigung Zyperns nach den gescheiterten, von den UN geführten Verhandlungen im vergangenen Jahr wie der aufgenommen werden sollen , bedeutet scheinbar, dass deutlich mehr zu verhandeln ist, als bisher ausgehandelt wurde. 

Die Insel ist bekannt für ihre lange Geschichte fremder Eroberer. Um seine Wirtschaft weiterzuentwickeln folgt Zypern heutzutage aber eher einem „open for business“-Trend, anstatt ausländische Anwärter abzuwimmeln.

Angelockt durch die niedrige Steuerlast Zyperns, mangelnde Transparenz und das schnelle Staatsbürgerschafts-Programm haben Russland und China wenig Zeit damit verschwendet, sich im Gefüge des kleinen gasreichen EU-Mitgliedstaates zu verankern.

Russland ist heute mit über 30 Milliarden Euro auf zypriotischen Bankkonten der mit Abstand größte ausländische Investor auf der Insel. Rund ein Drittel aller zypriotischen Bankeinlagen sind russischer Herkunft. Der größte Teil der russischen Aktivitäten findet in der Küstenstadt Limassol statt, wo die Mehrheit der geschätzten 50.000 Einwohner wohnen, und über 300 russische Unternehmen ihren Sitz haben.

Leicht unter dem Radar versteckt sich Chinas Aktivität. Aber nicht mehr lange, da sein Ziel darin besteht, dem Projekt New Silk Road (Neue Seidenstraße) eine weitere, strategisch platzierte Nation hinzuzufügen. Die staatliche China Communications Construction Company gehört zu den Bietern für die Sanierung des Hafens von Larnaka, während ein Kasino-Projekt von einer halben Milliarde Euro begonnen wurde. Investitionen chinesischer Organisationen haben bereits die 1-Milliarde-Euro-Marke überschritten , d. h. rund fünf Prozent des BIP Zyperns.

Während die USA und die EU versuchen, den chinesischen und russischen Einfluss auf heimischem Boden zu begrenzen, öffnet Zypern seine Türen überglücklich. Die ehemalige britische Kolonie, die in den 1970er Jahren aufgrund ihrer strategischen Lage so begehrt war, steht wieder im Zentrum eines neuen Tauziehens: Diesmal um den Handel. Aber zurzeit ist es der Osten, und nicht der Westen, der tendenziell gewinnt, und den ohnehin schon facettenreichen Zypern-Gesprächen eine neue Dimension verleiht.

Dienstag, 30. Oktober 2018

Autor/en:

Andreas Vou

Quelle/n:

VoxEurop

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop

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