Europa steht vor der Herausforderung der Energieknappheit

26 Millionen Europäer sind nicht in der Lage, im Winter eine ausreichend warme Temperatur in ihren Wohnungen oder Häusern aufrechtzuerhalten. Aber auch im Sommer herrscht Energiearmut, vor allem in den Ländern Süd- und Osteuropas.

Foto: Aurélien Adoue/Flickr

26 Millionen Europäer sind außer Stande, ihre Unterkünfte in den Wintermonaten angemessen zu heizen. Dies stellte der Think Tank OpenExp fest, ein Netzwerk unabhängiger Experten, die sich für die Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung einsetzen, und nun erstmals einen Index der Energiearmut auf europäischer Ebene veröffentlichen.

Die Energiearmut (d. h. die Unfähigkeit eines Haushalts, seinen Heizenergiebedarf aufgrund eines zu niedrigen Einkommens oder schlechten Wohnverhältnissen zu decken) wird üblicherweise anhand von zwei Indikatoren gemessen. Der erste ist der Anteil des Budgets, den die Haushalte für Energie ausgeben (die „Energieaufwandsquote“). Ergänzt wird dieser durch eine Messung des Kältegefühls, im Winter oder im Sommer – ein nützlicher Indikator, um jene Personen nicht auszuschließen, die „freiwillig“ weniger heizen, um ihre Kosten zu senken, auch wenn das bedeutet, dass ihnen kalt ist. Ferner fügt die Studie auch einen Indikator für Wohnungsmängel hinzu (Feuchtigkeit, mangelnde Isolierung usw.) und mischt diese drei Daten zu einem Gesamtergebnis von 100: Je höher der Wert, desto geringer ist die Energiearmut.

OpenExp konzentriert sich darüber hinaus auf Haushalte in Schwierigkeiten, die hier aus Gründen der Datenverfügbarkeit wie folgt definiert wurden: Die ärmsten 20 Prozent der europäischen Bürger. Sämtliche im Artikel dargestellten Prozentsätze sind daher nur auf diesen Teil der Bevölkerung bezogen.

Die Ergebnisse zeigen: Schweden, Finnland und Dänemark stehen vor Österreich und Luxemburg auf dem Podium. Frankreich liegt auf Platz zehn, knapp hinter Deutschland. Am unteren Ende befinden sich Bulgarien, Ungarn, die Slowakei, Lettland und Portugal.

„Die Fortschritte der nord- und westeuropäischen Länder zum Abbau der Energiearmut sind auf strengere Baunormen und eine stärkere finanzielle Unterstützung der gefährdetsten Haushalte zurückzuführen“, heißt es im Bericht. Die Autoren stellen auch fest, dass das Phänomen der Energieknappheit unterschiedlich berücksichtigt wird, je nachdem, ob es in den Ländern entweder als Energieproblem an sich betrachtet wird (folglich liegt der Schwerpunkt dann auf der Bereitstellung von Mitteln zur Unterstützung von Renovierungsarbeiten), oder als rein soziales Problem gilt (in diesem Fall wird eine direkte finanzielle Unterstützung der Haushalte befürwortet, um diesen zu helfen, ihre Rechnungen zu bezahlen). Die Antwort auf die Energiearmut liegt in Wirklichkeit am Kreuzungspunkt dieser beiden Themen.

Die relativ bessere Leistung der nordischen (und in geringerem Maße auch der westlichen) Länder ist auch auf die Wetterbedingungen zurückzuführen, die sie genießen. „Die Länder im Norden und Westen des Kontinents müssen sich mit dem Risiko der winterlichen Energiearmut auseinandersetzen, während die Länder im Süden und Osten ebenfalls von der sommerlichen Energieknappheit bedroht sind“, heißt es in dem Dokument. In Portugal zum Beispiel gibt es so viele arme Haushalte, die im Winter nur schwer heizen können, wie es Haushalte gibt, die im Sommer nur schwer kühlen können.

Obwohl der Bericht die gute Leistung Schwedens hervorhebt, weist er dennoch auf die Notwendigkeit hin, die Bekämpfung der sommerlichen Energieknappheit in Schweden zu verstärken, von der 7,7 Prozent der armen Haushalte betroffen sind (gegenüber nur 3 und 4 Prozent im Vereinigten Königreich und Irland).

Die Verfasser des Berichts geben zu, dass es an Daten mangelt, um diese oft vergessene Dimension der Energiearmut genau zu erfassen. Ferner unterstreichen sie seine wachsende Bedeutung, insbesondere im Zusammenhang mit der Vervielfachung und Intensivierung der durch die globale Erwärmung verursachten Hitzewellen . Sowie eine gewisse Schwierigkeit, dem entgegenzuwirken. „Während die winterliche Energiearmut durch Isolierungsarbeiten und eine Verbesserung der Energieeffizienz der Heizsystemen verringert werden kann, erfordert der Kampf gegen sommerliche Energieknappheit eine intelligente Kombination aus Isolierung, passiven Kühlungs-Technologien, usw.“, erklärt der Bericht.

Der Bau neuer energieeffizienter bioklimatischer Unterkünfte erfordert beispielsweise die Wiederverwendung von durchlaufenden Grundrissen zur Förderung der natürlichen Belüftung, die Erhaltung ausreichend vieler Pflanzen, welche die Bildung von Wärmeinseln verhindern, oder die Einstellung des Baus von Tiefgaragen zur Erhaltung der Bodenkühle.

Auf jeden Fall sind weitere Anstrengungen erforderlich, um das von der Europäischen Union gesetzte ehrgeizige Ziel der Verbesserung der Energieeffizienz (32,5 Prozent bis 2030) zu erreichen.

Samstag, 23. Februar 2019

Autor/en:

Aude Martin

Quelle/n:

VoxEurop

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop
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