Brexit veranlasst das europäische Gesundheitspersonal zur Flucht aus dem Gesundheitsdienst

Immer mehr EU-Bürger, die im britischen Gesundheitssystem arbeiten, verlassen den Nationalen Gesundheitsdienst als Folge des Referendums über die britische EU-Mitgliedschaft.

Foto: Duncan Hull/Flickr

Die Zahl der EU-Arbeitnehmer, die in den britischen staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, kurz NHS) eingetreten sind, ist im vergangenen Jahr um 18 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl jener, die den NHS verlassen haben, um 19,6 Prozent gestiegen… Das zeigen die jüngsten Erhebungen der Institution.

Die Daten beziehen sich nur auf England und vergleichen die Zeiträume von September bis September. Die letzten erstrecken sich von September 2016 bis September 2017, dem ersten vollständigen Jahr nach dem Referendum, bei dem die Briten für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt haben. 

In absoluten Zahlen ist dies das erste Jahr seit 2012, in dem die Zahl der EU-Arbeitnehmer, die in den englischen NHS eintreten, niedriger ist als in der Vorperiode.

Allerdings ist die Entwicklung von Land zu Land unterschiedlich. Bezüglich der Zugänge zum englischen Gesundheitswesen verzeichneten Kroatien, Spanien und Estland im letzten Zeitraum die stärksten Rückgänge. Dagegen zählten Italien, Island und Lettland die stärksten Zuwächse bei den Arbeitnehmern, die das System verließen. 

Das europäische Personal macht 5,6 Prozent aller Beschäftigten im NHS aus, welcher der größte Arbeitgeber des Vereinigten Königreichs ist.

Die Debatte über die NHS-Ausgaben und Zahlungen an die EU war einer der Hauptfaktoren während des EU-Referendums, und ist nach wie vor ein wichtiges Thema in den Brexit-Verhandlungen. Verschiedene medizinische Einrichtungen im Vereinigten Königreich haben behauptet, dass die Versorgung der Patienten in der künftigen Vereinbarung erhalten bleiben muss. Die Brexit Health Alliance hat davor gewarnt, dass ein No-Deal-Szenario „schwerwiegende“ Folgen für die Patienten haben wird.

Das Gesundheitspersonal ist einer der Schlüsselfaktoren. „Kurz- bis mittelfristig ist es einfach weder machbar noch realistisch, unseren Bedarf allein durch inländische Rekrutierung zu decken“, erklärte Danny Mortimer, Vorstandsvorsitzender von NHS Employers. Die Institution beglückwünschte die britische Regierung zu ihrer Entscheidung, die Rechte der im Vereinigten Königreich lebenden EU-Bürger zu gewährleisten. Sie wies aber auch nachdrücklich darauf hin, dass ein „flexibles“ Einwanderungssystem gewährleistet sein müsse.

Dienstag, 29. Mai 2018

Autor/en:

Carmen Aguilar

Quelle/n:

VoxEurop

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop
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