Zunehmende Feindseligkeiten der Nationalisten gegenüber religiösen Minderheiten in Europa

Laut einer aktuellen Studie des Pew Research Center haben „die nationalistischen Aktivitäten im Jahr 2016 rund um den Globus“ zugenommen, und insbesondere in Europa.

Photo: luckyfotostream/Flickr

In seiner neunten jährlichen Studie über globale Religionsbeschränkungen hat das Pew Research Center untersucht, wie staatliche Akteure – d. h. politische Parteien oder einzelne Amtsträger – sowie nichtstaatliche nationalistische Organisationen im Jahr 2016 nationalistische und oft immigranten- oder minderheitenfeindliche Rhetorik gebrauchten, und die religiösen Gemeinschaften in ihren Ländern zur Zielscheibe machten.

Die politischen Parteien und Gruppen, die in der Studie als „nationalistisch“ betrachtet wurden, wurden in den Quellen entweder ausdrücklich als nationalistisch beschrieben, oder sie vertraten Anti-Immigranten- oder Anti-Minderheiten-Ansichten, die zu ihrer Klassifizierung als „nationalistisch“ führten. Der US-amerikanische Think Tank schlussfolgert demnach, dass „die nationalistischen Aktivitäten im Jahr 2016 rund um die Welt zugenommen haben".

Besonders verbreitet war dieses Phänomen vor allem in Europa. Der Studie zufolge „gaben nationalistische Parteien in rund einem Drittel der europäischen Länder (33 Prozent) politische Erklärungen gegen religiöse Minderheiten ab, was einer Zunahme von 20 Prozent der Länder im Jahr 2015 entspricht“. 

Insgesamt heißt es in dem Bericht: „Im Jahr 2016 wurden am häufigsten Muslime zu Opfern der Schikane nationalistischer politischer Parteien oder Beamter. In der Regel in Form von abwertender Bemerkungen oder für sie nachteiligen politischen Maßnahmen.“

Ferner machten nationalistische Parteien auch Juden, Christen und Angehörige anderer Minderheits-Religionen zur Zielscheibe: „In Bulgarien berichteten die Zeugen Jehovas von einer laufenden Kampagne, die zwei nationalistische Parteien gegen ihre Religion organisiert hatten. Zusammen bildeten sie das politische Wahlbündnis der Patriotischen Front. Und in Schweden haben Vertreter der Schwedendemokraten im Laufe des Jahres mehrfach antisemitische und antimuslimische Äußerungen gemacht."

Allerdings waren nationalistische Ideologien nicht nur auf die Regierungen beschränkt, wie die Studie feststellt: Die Zahl der Länder, in denen nichtstaatliche nationalistische Organisationen (im Gegensatz zu staatlichen Akteuren wie Amtsträgern oder politischen Parteien, die eine Rolle in der Regierung spielen) gegen religiöse Gruppen vorgingen, nahm im Jahr 2016 ebenfalls zu.

Die Mehrheit der sozialen Gruppen, die sich durch diese Art von nationalistischen oder einwanderungsfeindlichen und minderheitenfeindlichen Aktivitäten auszeichnen – 25 von 32 – „befanden sich in europäischen Ländern, darunter Großbritannien, Irland und Ungarn“. In diesen Ländern wurden „religiöse Minderheiten oft zur Zielscheibe von Demonstrationen, abfälligen öffentlichen Äußerungen oder Gewalttaten nationalistischer Gruppen“.

Am häufigsten wurden Muslime in europäischen Ländern angegriffen. In 20 der 25 europäischen Länder, in denen solche Gruppen aktiv waren, wurden Muslime ins Visier genommen, darunter Frankreich, Deutschland, Irland, Finnland oder Estland.

Samstag, 23. Juni 2018

Quelle/n:

VoxEurop

Übersetzung von:

J. Heinemann
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