Harte Brexit könnte EU- und UK-Bürger jährlich Milliarden Euro kosten

Wenn das Vereinigte Königreich die Europäische Union ohne ein neues Abkommen verlässt, könnte dies Verluste in Milliardenhöhe für die Europäische Union und die britischen Bürger bedeuten.

Ein harter Brexit, ein Ausstieg ohne Abkommen (d. h. wenn Großbritannien die Teilnahme am EU-Binnenmarkt aufgeben würde) könnte zu jährlichen Verlusten von bis zu 57 Milliarden Euro im Vereinigten Königreich und 40 Milliarden Euro in den EU-Ländern führen, belegt eine neue Studie.

Exportorientierte Länder, nämlich Deutschland, Frankreich und Italien, würden nach Großbritannien den größten finanziellen Schaden erleiden. Die Hauptverluste würden durch die niedrige Produktivität und teurere Waren und Dienstleistungen infolge der neuen Gebühren entstehen, die derzeit im EU-Binnenmarkt abgeschafft werden. Im Gegensatz dazu könnten die Vereinigten Staaten, China und andere Länder außerhalb Europas vom britischen Austritt profitieren.

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung analysierte globale Handelsströme, um die Folgen vom Brexit vorherzusagen, und stellte fest, dass britische Bürger die größten Einkommensverluste erleiden würden. Ein No-Deal-Brexit würde sie rund 900 Euro pro Kopf kosten. London wäre am stärksten betroffen, gefolgt von Berkshire und Surrey.

In Deutschland wären die Einkommensverluste nach Großbritannien die höchsten in Europa – rund 10 Milliarden Euro bzw. 115 Euro pro Bürger. Am stärksten betroffen wären die Landkreise Düsseldorf und Köln.

Der harte Brexit würde auch Frankreich, Italien, Irland und die Niederlande schwer treffen. Nach Ansicht der Autoren würde er die Iren 720 Euro pro Kopf und Jahr (insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro) und die Niederländer über 3 Milliarden Euro Einkommensverluste kosten.

Seit dem ersten EU-Referendum im Jahr 2016 hat Großbritannien dem mit der Union ausgehandelten Austrittsabkommen nicht zugestimmt. Die übrigen 27 Staats- und Regierungschefs der EU stehen kurz davor zu entscheiden, ob und wie lange sie sich bereit erklären, den Brexit über die aktuelle Frist vom 29. März hinaus zu verschieben. Wenn sie sich weigern, müsste das Vereinigte Königreich einen Ausstieg ohne Abkommen einleiten.

Wenn das Vereinigte Königreich den Austrittsprozess verlängern und sich auf eine gemeinsame Markt-Vereinbarung einigen würde, würde dies die Einkommensverluste abfedern. Die Studie ergab, dass der sogenannte softe Brexit die Einkommensverluste für die gesamte EU nahezu halbieren könnte, mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs. Für Großbritannien würde der Schaden um 25 Milliarden Euro sinken.

Aber nicht jeder ist am Ende ein Verlierer, wenn das Vereinigte Königreich die EU ohne ein Abkommen verlässt. Für Länder außerhalb Europas könnte der harte Brexit Milliardengewinne bringen. Da der Handel mit Europa teurer wäre, könnte der Handel mit dem Rest der Welt attraktiver sein. Am meisten profitieren würden die USA mit einem potenziellen Einkommen von 13 Milliarden Euro pro Jahr, gefolgt von China, Indien und Japan.

Donnerstag, 21. März 2019

Quelle/n:

VoxEurop

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop

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