Elektro-Busse: Europa hat Anlaufschwierigkeiten

In der Pariser Umgebung mangelt es an Elektrobussen. Infolgedessen werden im nächsten Jahr rund einhundert alte Diesel-Busse wieder in Betrieb genommen. Zwar handelt es sich dabei hauptsächlich um ein Verwaltungsproblem des Fuhrparks der Region Ile-de-France, dennoch zeigt diese Ankündigung den gewaltigen Rückstand der Bemühungen der europäischen Städte zur Erneuerung ihres Bus-Fuhrparks.

Während sich in vielen Ländern immer mehr Menschen mobilisieren, um gegen Luftverschmutzung ein Zeichen zu setzen, zumal diese auf dem Kontinent für mehr als 500.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich ist, sind Stadtbusse nach wie vor Fahrzeuge, die Feinstaub ausstoßen.

Die europäischen Diesel-Busse

Im Jahr 2017 gab es in Europa nur 2.100 Elektrobusse. In den Vereinigten Staaten von Amerika waren es 360, während China mehr als 380.000 zählte. Damit beträgt der Elektro-Anteil an der Busflotte auf dem alten Kontinent 1,6 Prozent, gegenüber 0,5 Prozent jenseits des Atlantiks und 17 Prozent für den asiatischen Riesen! Die Mehrheit der europäischen Busse fährt mit Diesel, dessen Anteil 2013 79 Prozent betrug.

So fahren beispielsweise 99 Prozent aller im Verkehr befindlichen Elektrobusse derzeit durch China. Dieser Vorsprung ist auf die großen Luftverschmutzungs-Probleme in chinesischen Städten, und die Reaktion der lokalen Behörden zurückzuführen, die in Transportarten investiert haben, die keinen Feinstaub ausstoßen. Diese lokale Politik wurde bis Ende 2016 von Finanzhilfen begleitet, um den Kauf von Elektrobussen kostengünstiger zu machen als Dieselbusse. In Europa kostet ein Elektrobus 570.000 Dollar, verglichen mit 450.000 Dollar für einen Diesel.

Die Hersteller sitzen in China

Darüber hinaus hat sich China frühzeitig für eine Industriepolitik entschieden, deren Akteure in der Lage sind, große Mengen zu produzieren. Mit mehr als 100.000 Verkäufen im Jahr 2017 hat das Land pro Stunde durchschnittlich 11 Elektro- oder Hybridbusse auf die Straßen gebracht . Zwischen 2015 und 2016 verkaufte der Weltmarktführer Yutong 35.000 Fahrzeuge, BYD mehr als 20.000. 80 von ihnen gingen nach Europa. Die Volumen, welche diese beiden chinesischen Akteure produzieren, erscheinen im Vergleich zu den 50 Volvo-Bussen, den 103 polnischen Solaris oder den 82 britischen Optare gigantisch.

Trotz der geringen Entwicklung von Elektrobussen in Europa ist die Situation von Land zu Land verhältnismäßig kontrastreich. In diesem Jahr hat der staatliche Betreiber des öffentlichen Personennahverkehrs in Paris (Régie Autonome des Transports Parisiens, kurz RATP) die größte europäische Ausschreibung für den Kauf von 1.000 Elektrobussen veröffentlicht. Die französische Hauptstadt will so ihr Versprechen einhalten, und bis 2025 ausschließlich saubere Busse betreiben. Paris ist Mitglied der Erklärung „C40 “ für Straßen ohne fossile Energien. Die vierzig Städte, welche diesen Text unterzeichnet haben, darunter London, Kopenhagen, Barcelona, Rom und Rotterdam, haben sich verpflichtet, bis 2025 emissionsfreie Busfuhrparks zu haben.

Diese Fuhrpark-Erneuerungen dürften daher die Zahl der Elektrobusse in Europa wachsen lassen, wodurch das Haupthindernis für ihre Entwicklung überwunden würde: Der Preis.

Samstag, 17. November 2018

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop

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