Ein halbes Jahrhundert Impfungen werden vergeudet

Masern, Mumps und Röteln: Die Rückkehr der Infektionskrankheiten. 

Was die Zahl der gegen Masern geimpften Personen betrifft, so liegen die Europäer bereits unter der Sicherheitsgrenze.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlangt, dass mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft werden, um die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft zu erhalten, sowie Menschen ohne eine bestimmte Krankheits-Resistenz zu schützen. Dabei handelt es sich vor allem um Personen, die wegen medizinischer Kontraindikationen nicht geimpft wurden. Nur in fünf Ländern der Europäischen Union werden über 95 Prozent der Bevölkerung mit zwei Dosen geimpft. So gab es in Polen, wo die Impfung gegen Masern vorgeschrieben ist, in der ersten Hälfte dieses Jahres beispielsweise 34.000 Impfverweigerungen, das sind mehr als im gesamten Vorjahr.  In den letzten acht Jahren gab es fast 140.000 Fälle polnischer Eltern, die sich weigerten, ihr Kind zu impfen.

Der durchschnittliche Impfungsgrad für die gesamte EU liegt unter 94 Prozent, wobei Rumänien (87 Prozent), Kroatien (89 Prozent) und Malta (91 Prozent) am Ende der Liste stehen.

Was die Häufigkeit von Masern pro Million Einwohner betrifft, so nimmt Griechenland den ersten Platz ein (fast 300 Patienten pro Million Einwohner). In diesem Jahr sind mehr als 10.000 Menschen in der gesamten Europäischen Union an Masern erkrankt: 33 starben, die meisten davon in Rumänien.

Wo Impfungen in Europa vorgeschrieben sind

Masern

Frankreich verabreicht die Impfung gegen Masern an die jüngste Altersgruppe: Babys werden bereits im Alter von sechs Monaten geimpft. In etwa einem Dutzend der EU-Länder ist der Masernimpfstoff nicht verpflichtend. In Deutschland zum Beispiel können Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind impfen oder nicht. Trotzdem entscheiden sich 97 Prozent für eine Immunisierung. Masern gehören zu den Infektionskrankheiten, die sich sehr leicht ausbreiten. Statistisch gesehen kann ein Patient bis zu einem Dutzend Menschen infizieren. Am gefährlichsten sind Masern für Kinder unter 5 Jahren, für Senioren, sowie für alle, die wegen anderer chronischer Krankheiten nicht geimpft wurden.

Röteln

Impfungen gegen Röteln sind unter anderem in Frankreich, Bulgarien und Polen Pflicht. Mit neun Monaten sind die österreichischen Säuglinge die jüngsten, welche die erste Dosis des Impfstoffs erhalten, obwohl eine Impfung dort nicht zwingend ist.

Keuchhusten

Impfungen gegen Keuchhusten sind in 10 EU-Ländern obligatorisch. Die erste Dosis der Impfung wird an Kinder verabreicht, bevor sie 3 Monate alt sind. In den Niederlanden werden bereits Säuglinge im Alter von einem Monat geimpft.

Mumps

Die Impfung gegen Mumps wird in der Regel zusammen mit einer Dosis gegen Masern und Röteln verabreicht. Mögliche Komplikationen nach einer Infektion sind Meningitis, Pankreatitis und sogar Herzinfarkt oder Schäden am Hörnerv.

Was halten die Europäer von Impfungen?

Die Europäische Kommission hat in diesem Jahr eine Meinungsumfrage zum Thema Impfung durchgeführt.

Sind Impfstoffe für mein Kind wichtig? Durchschnittlich 90 Prozent der Europäer antworteten mit „Ja“. Die höchsten Werte erreichten die Portugiesen (98 Prozent) und Finnen (97 Prozent). Die Polen stellten den geringsten Anteil dar (76 Prozent).

Sind Impfungen sicher? Durchschnittlich 82 Prozent der EU-Bürger antworteten mit „Ja“. Auch hier stimmte die große Mehrheit der Portugiesen (95 Prozent) zu, aber nur 72 Prozent der Polen.

Sind die Impfungen wirksam? Über 90 Prozent der Finnen und Portugiesen sagten „Ja“. Aber nur 75 Prozent der Polen.

Sind Impfungen mit meiner Religion vereinbar? 59 Prozent der Polen sagten „Ja“. Dies ist die niedrigste Zahl in der gesamten EU. Grund hierfür könnte der Einfluss der Rhetorik der Anti-Impf-Bewegung sein (die vielleicht besser als ‘Pro-Epidemie-Bewegung’ zu beschreiben ist). Eines der von ihren Vertretern wiederholten Argumente ist, dass Impfstoffe aus abgetriebenen Föten hergestellt werden. Derartiger Unsinn wird manchmal sogar in den Kirchen wiederholt.

 

Dienstag, 20. November 2018

Quelle/n:

BiQdata

Übersetzung von:

Julia Heinemann | VoxEurop

Daten-Nachrichten