Ein blühendes Geschäft für die EU-Länder

Rüstungsexporte aus Europa profitieren vom globalen Wachstum der Branche, und die europäischen Länder gehören zu den größten Anbietern der Welt.

Foto: Polnische AHS-Krabbe auf der Internationalen Fachausstellung für Waffen- und Sicherheitspolitik (Arms and Security), 2017

Der Verteidigungssektor ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Europa: Direkt stellt er etwa eine halbe Million Arbeitsplätze (indirekt plus die Hälfte mehr) in mehr als 1.300 Unternehmen, und erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von etwa 100 Millionen Euro pro Jahr. Die europäischen Länder gehören zu den größten Waffenexporteuren der Welt, und haben in den letzten zehn Jahren vom globalen Wachstum des Sektors profitiert.

Zwischen 2013 und 2017 stiegen die internationalen Transfers von Großwaffen um zehn Prozent: Deutlich zugenommen haben insbesondere die Exporte nach Asien, Ozeanien und in den Nahen Osten. Die Exporte nach Afrika, Amerika und Europa sind unterdessen zurückgegangen. Dennoch gehört Europa nach wie vor zu den größten Exporteuren: Sechs der Top-Ten sind in der Tat EU-Mitgliedstaaten, angeführt von Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Die Informationen hierzu stammen aus Daten , die kürzlich vom internationalen Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) veröffentlicht wurden, einem unabhängigen Institut für Konfliktforschung, Rüstung, Waffenkontrolle und Abrüstung.

Spitzenreiter bei den Waffenausfuhren sind – wenig überraschend – die Vereinigten Staaten, gefolgt von Russland, Frankreich, Deutschland und China. Im betrachteten Zeitraum machen sie zusammen 74 Prozent der gesamten Waffenexporte aus. Der Anteil der USA beträgt allein 34 Prozent des Marktes.

Die Mehrheit der europäischen Anbieter hat in den letzten zehn Jahren von der Ausweitung des Marktes profitiert. Insbesondere Frankreich steigerte seinen Umsatz um 27 Prozent. Deutschland verzeichnete einen Gesamtanstieg von 14 Prozent, mit einem Umsatzplus von 109 Prozent im Nahen Osten. Das Vereinigte Königreich gehört unterdessen nicht nur zu den führenden Exporteuren, sondern ist auch der größte Waffenimporteur Europas. Ihm folgen Italien und Norwegen.

Wohin gehen die Waffen?

Der größte Waffenimporteur zwischen 2013 und 2017 war Indien: Das Land hält einen Marktanteil von 12 Prozent. Frankreich gehört zu seinen Hauptlieferanten. Darüber hinaus ist Frankreich der viertgrößte Exporteur für den zweitgrößten Importeur – Saudi-Arabien – und liegt damit leicht vor Italien, und nach den USA, Großbritannien und Deutschland. Im gleichen Zeitraum importierte die Wahhabiten-Monarchie 98 Prozent ihrer Waffen aus den USA und Europa, wobei letzteres weniger als sechs Prozent davon ausmachten. Einem New York Times -Bericht zufolge warfen saudische Kampfflugzeuge im Jemen unter anderem italienische Bomben ab, die RWM in Sardinien hergestellt hatte.

Die europäischen Importe gingen im gleichen Zeitraum um 22 Prozent zurück. Angesichts der geplanten Anschaffung der amerikanischen F-35-Kampfjets dürften diese Zahlen allerdings in den kommenden Jahren wieder ansteigen.

Die SIPRI-Datenbank zum Waffenhandel ist ein Verzeichnis, das Informationen über den Transfer der wichtigsten konventionellen Waffen von 1950 bis heute enthält. Die Datenbank wird jährlich aktualisiert (die letzte Aktualisierung erfolgte am 12. März 2018). Die von SIPRI bereitgestellten Informationen  umfassen Lieferanten und Empfänger, das Volumen der internationalen Lieferungen, sowie Waffentypen. Die angezeigten Prozentzahlen beziehen sich auf den vorangegangenen Zeitraum (2008-2012). Der Wert der Transaktionen ist als TIV (Trendindikatorwert) ausgedrückt, d.h. einer Maßeinheit, die SIPRI auf der Grundlage der Produktionskosten anstatt des finanziellen Wertes der produzierten Waffen oder Maschinen entwickelt hat.  

Dienstag, 20. März 2018

Autor/en:

Francesca Barca

Quelle/n:

VoxEurop

Übersetzung von:

Ciaran Lawless | VoxEurop
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