Die Rückkehr der Bären in den Alpen

In der Vorstellung vieler Menschen ist der Bär ein „wildes Tier“. Im Laufe der Geschichte kam es immer wieder zu Konfrontationen. Nach der Ausrottung dieses großen Säugetiers in mehreren europäischen Ländern hat seine Wiederansiedlung Begeisterung, aber auch Skepsis hervorgerufen.

Foto: Bären in Slowenien - © Neil Burton/Shutterstock

In der Vergangenheit bewohnte der Bär den gesamten europäischen Kontinent, mit Ausnahme der Inseln Sardinien, Korsika, Irland und Island. Um das 18. Jahrhundert herum nahm die Anwesenheit dieses großen Säugetiers jedoch stark ab, was zum einen in der Kolonisierung der Berggebiete durch Zucht, Landwirtschaft und Entwaldung begründet war. Die dramatische Entvölkerung des Bären war aber auch auf die Verfolgung durch den Menschen zurückzuführen, sowohl aus Angst vor den Tieren als auch zum Zwecke der Jagd.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es im Gebiet des heutigen Slowenien nur noch etwa vierzig Bären. Um diesem fortschreitenden Verschwinden entgegenzuwirken, wurden schrittweisemehrere Maßnahmen eingeleitet, einige davon im Balkan. So wurde 1935 in Slowenien der Bär zur geschützten Art erklärt, 1953 wurde die Jagdzeit geregelt und 1962 die Verwendung von vergifteten Ködern verboten. Maßnahmen, die einen gewissen Erfolg verzeichneten: Heute gibt es etwa 4000 Bären auf den Gebirgszügen der Dinariden- und Pindosalpen, die sich von Slowenien bis Griechenland erstrecken. Diese Schätzung bezieht sich auf den Zeitraum von 2012 bis 2016 und stammt aus einer Untersuchung, die das Norwegische Institut für Naturforschung für das Europäische Parlament im Jahr 2018 durchgeführt hat.

In den italienischen Alpen fanden die ersten Versuche zur Wiederansiedlung im Trentino statt: 1960 und 1969 in der Nähe des Val Genova und 1974 in Selva Piana, nahe dem Valle dello Sporeggio. Diese Versuche scheiterten jedoch: Um die 1990er Jahre herum gab es im Gebiet der Gebirgsgruppe Brenta, im Trentino, nur noch drei bis vier Bären. 1996 wurde eine neue Aktion zur Wiederansiedlung in diesen Gebieten gestartet, die durch EU-Mittel mit dem Projekt Life Ursus unterstützt wurde: Zwischen 1999 und 2002 wurden zehn Bären slowenischer Herkunft angesiedelt. Diesmal war der Versuch erfolgreich.

Claudio Groff, Koordinator des Bereichs der großen fleischfressenden Tiere in der autonomen Provinz Trient, bestätigt dies: "Die Bärenpopulation in den Zentralalpen, rund um das Trentino, ist relativ klein und abgelegen und zählt derzeit 52 bis 63 Exemplare; dann gibt es etwa zehn Bären im Grenzgebiet zwischen Friaul, Kärnten und den slowenischen Alpen". Obwohl dies im Vergleich zur Vergangenheit eine bedeutende Zahl ist, stellt sie trotzdem nur einen minimalen Prozentsatz der Bärenpopulation in ganz Europa dar: Es wird geschätzt, dass in der Europäischen Union zwischen 15.000 und 16.000 Bären leben.

Bevölkerung der Braunbären in Europa, Schätzungen 2012 – 2016

Unsicherheit über die zu ergreifenden Maßnahmen

Die Wiederansiedlung des Bären hatte gesetzliche Regelungen zu Folge. Die beiden wichtigsten Gesetzestexte sind das Berner Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume (1982) und die Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie). Die Bären werden im Berner Übereinkommen als "streng geschützte" Art eingestuft, während die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sie zu den Arten von gemeinschaftlichem Interesse zählt, für die es notwendig ist, besondere Schutzgebiete zu schaffen und einen sorgfältigen Schutz zu gewährleisten.

Diese Verpflichtungen sind jedoch eher allgemein gehalten. Aus diesem Grund hat die Europäische Kommission zwischen 2006 und 2008 Leitlinien für die Pläne zur Kontrolle großer fleischfressenden Tiere in Europa ausgearbeitet. Insbesondere ging es darum, das Konzept des "zufriedenstellenden Erhaltungszustandes" einer Art zu klären. Nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie liegt dieser Status vor, wenn die Art "fortbesteht und langfristig ein wesentliches Element der natürlichen Lebensräume, zu denen sie gehört, bleiben kann; das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art nimmt nicht ab und wird in absehbarer Zeit nicht abnehmen; es gibt und wird weiterhin genügend Lebensraum für den langfristigen Erhalt ihrer Bevölkerung geben".

Trotz dieser Regulierungsbemühungen gibt es nach Ansicht der Autoren der letzten Untersuchung, die vom Europäischen Parlament in Auftrag gegeben wurde, in Europa immer noch keine Einigung darüber, wie der "zufriedenstellende Erhaltungszustand" und die im Berner Übereinkommen vorgesehenen Maßnahmen zu interpretieren sind. Diese Unsicherheiten gefährden unter anderem den Schutz der Braunbären.

Wenn der Bär Schaden anrichtet

Wenn es um Bären geht, ist ein weiteres viel diskutiertes Thema der tatsächliche oder vermeintliche Schaden, den sie der Zucht und der Landwirtschaft zufügen. Das Thema ist heikel und wird oft instrumentalisiert. Nach einer Untersuchung des Reporternetzwerks BIRN hat der Staat Mazedonien in den letzten fünf Jahren über 3 Millionen Euro für von Bären angerichtete Schäden nach Klagen von Landwirten und Züchtern bezahlt. Der plötzliche Anstieg von Schadenersatzansprüchen im Vergleich zur Vergangenheit deutet jedoch darauf hin, dass es Menschen gibt, die durch die Einleitung von Gerichtsverfahren Geld verdienen möchten, auch wenn der entstandene Schaden nicht von Bären verursacht wurde.

Nach Angaben der Umweltagentur beliefen sich die Entschädigungen in Slowenien zwischen 2005 und 2008 auf 590.793 Euro. Allein im Trentino wurden, nach Angaben des ehemaligen Stadtrats der Provinz Trient in 17 Jahren 1,27 Millionen Euro für Landwirtschaft, Tourismus und Jagd ausgegeben.

Anzahl der von Bären getöteten Nutztiere, für die eine Erstattung erfolgt ist (Durchschnitt 2012 – 2016)

Derzeit suchen die europäischen Staaten nach Lösungen, um die durch Bären verursachten Schäden einzudämmen. Zu den Abhilfemaßnahmen gehören beispielsweise die Einführung von Elektrozäunen und die Förderung der Beweidung und damit die Anwesenheit von Hirten und Hunden. Diese Maßnahmen werden zu einem Anstieg der Kosten führen, sind aber nach Ansicht der Experten dem Ausgleich von Schäden durch Bären vorzuziehen. Dies würde gleichzeitig zu einer größeren sozialen Akzeptanz der Bären in den Bergen führen.

Wie man ein gutes Zusammenleben gewährleistet

Das potenziell widersprüchliche Verhältnis zu Menschen mit ihren Tätigkeiten bleibt das Hauptproblem im Zusammenhang mit der Anwesenheit von Bären in den Alpen. „Wenn die Toleranz unter eine bestimmte Schwelle fällt, könnte diese Art durch Wilderei verschwinden.“ – erklärt der Experte aus der autonomen Provinz Trient, Claudio Groff. „Es besteht kein Zweifel daran, dass die Anwesenheit von Bären zu einigen Unfällen führen wird und folglich auch zu Angst. Entscheidet der Mensch, dass es sich um erträgliche Risiken handelt, so kann der Bär bleiben.“ In Wirklichkeit komme es eher sporadisch zu Konflikten zwischen Menschen und Bären. Deshalb ist die lokale Bevölkerung in Regionen, in denen der Bär wieder angesiedelt wurde, oft bereit, ihn zu tolerieren.

In Europa gibt es sehr unterschiedliche Systeme, um die Anwesenheit des Bären zu kontrollieren. "Europa kann in zwei Blöcke unterteilt werden: Der "westliche" Block umfasst Trentino, die Abruzzen, die Pyrenäen und Asturien. Hier gibt es kleine und abgegrenzte Bevölkerungen und die Kontrolle der Bären ist auf die Erhaltung gerichtet – Kompensation und Vermeidung von Schäden und Überwachung, alles Aktivitäten, die den Erhalt der Tiere fördern. Bären werden nur im Extremfall, im Falle von Gefahr, erschossen", erklärt Groff. Der andere Block umfasst ganz Osteuropa und Skandinavien. Hier ist man auf Jagd ausgerichtet, und die Bärenjagd stellt ein großes Geschäft dar. Wo gejagt werden darf, werden Bären aus zwei Gründen toleriert: Erstens: Es sind Länder mit großen, dünn besiedelten Regionen, die eine viel bessere Kontrolle der Tiere ermöglichen; zweitens sind Bären nie aus diesen Gebieten verschwunden, sodass die Bevölkerung keine Angst vor ihnen hat. Sie gelten als Touristenattraktion".

„Leider hat bei uns der touristische Aspekt noch nicht Einzug gehalten. Deshalb sieht man den Bären nur als Ärgernis an.“ so der Experte der autonomen Provinz Trient weiter. In unserem Land, wo die Zahl der Bären gering ist, bringt das Schießen auf eines der Tiere große Probleme mit sich, da die Fortpflanzungsfähigkeit der Art beeinträchtigen wird. Das Abschießen darf daher nur das allerletzte Mittel sein".

Dienstag, 22. Januar 2019

Autor/en:

Laura Pes

Quelle/n:

OBC Transeuropa

Übersetzung von:

Ciaran Lawless | VoxEurop

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Umwelt

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