Auch Unternehmen der öffentlichen Hand müssen ihre Daten veröffentlichen

Die neue europäische Richtlinie wird mehr Daten zugänglich machen: alle Daten, die mit öffentlichen Geldern produziert wurden, d. h. auch die Daten öffentlicher Unternehmen, die in vielen Städten entscheidende Leistungen wie Verkehrsdienste erbringen.

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Erfreuliche Nachrichten von der Open-Data-Front: Die Europäische Union unternimmt weitere Schritte, um den Bürgern den Zugang zu öffentlichen Daten zu erleichtern. Der interessanteste Aspekt ist jedoch, dass der Geltungsbereich der Richtlinie nun auch auf Unternehmen der öffentlichen Hand und auf Daten, die mit öffentlichen Geldern finanziert wurden, ausgeweitet werden soll.

Letzte Woche verständigten sich das Europäische Parlament und der Rat auf die nötigen Änderungen, die bald zur Novellierung der Richtlinie über die Weiterverwendung von Daten des öffentlichen Sektors führen sollten.

Diese Meldung findet sich in einem Tweet der Europaabgeordneten Julia Reda, die die Einigung begrüßte und die positiven Folgen für den Investigativ-Journalismus und den Kampf gegen Korruption hervorhob.

Die Initiative zielt darauf ab, die bestehende Richtlinie zu erneuern und die Möglichkeiten für die Weiterverwendung öffentlicher Daten auszubauen. So soll es auch möglich sein, auf Informationen von Unternehmen zuzugreifen, die wichtige öffentliche Dienste, wie z. B. die Verkehrsmittel, betreiben.

Diese Perspektive ist auch aus ökonomischer Sicht interessant, denn das breitere Weiterverwendungsspektrum würde „erheblich zur Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Datenwirtschaft beitragen und die Entwicklung und Verbreitung modernster Technologien – etwa künstliche Intelligenz, Cloud-Computing und viele andere – vorantreiben“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung.

Es sei darauf hingewiesen, dass die Daten digitalisiert („maschinenlesbar“) sein müssen und daher nicht einfach in Formaten zur Verfügung gestellt werden dürfen, die ihre tatsächliche Verwendung nicht zulassen.

Während Julia Reda in ihrem Tweet auch die umfassendere Kontrolle über ein Universum ansprach, das wir kaum kennen (Unternehmen der öffentlichen Hand), betonte der Abgeordnete Michal Boni das Potenzial für Unternehmen.

Es ist kein Zufall, dass wir aus sozioökonomischer Sicht von „hochwertigen Datensätzen“ sprechen. Aufgrund der bisher getroffenen Vereinbarungen müssen diese Daten allen Mitgliedstaaten zur Verfügung stehen und über APIs frei oder zu geringen Kosten zugänglich sein. Daher wird einigen Behörden die Möglichkeit eingeräumt, damit Einkommen zu erwirtschaften und kostenpflichtige Daten bereitzustellen. Derzeit werden geringfügige Gebühren für bestimmte Fälle angekündigt. Es lohnt sich, diesen Aspekt aufmerksam zu verfolgen, insbesondere aus Sicht derjenigen, die Daten zu Informationen verknüpfen.

„Kleinere Unternehmen und Start-ups können es sich nicht immer leisten, Daten des öffentlichen Sektors zu kaufen – höhere Verfügbarkeit und niedrigere Kosten können somit dazu beitragen, bahnbrechende Innovationen zu ermöglichen, die uns allen zugutekommen“, erklärte die österreichische Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort Dr. Margarete Schramböck.

Mehr zur Verfügung stehende öffentliche Daten würden auch den leichteren Zugang zu einer größeren Menge für die Öffentlichkeit relevanter Informationen und zu Plattformen wie dem Europäischen Datenportal und dem Offenen Datenportal der EU bedeuten.

Gegenwärtig sind diese Dienste möglicherweise noch nicht für Laien nutzbar. Obwohl die Datenkompetenz der Bürger zweifellos verbessert werden könnte, müssen wir die Daten auch aufbereiten, damit sie einem breiteren Kreis nutzen. Open Data bedeutet nämlich nicht nur das Bereitstellen von Informationen, sondern auch die Entwicklung der Fähigkeit, die in den veröffentlichten Datensätzen enthaltenen Informationen zu verstehen.

Ein Versuch in diese Richtung ist beispielsweise die von EDJNet entwickelte Data Search Engine, ein Tool, das Journalisten und Bürgern die Datensuche erleichtern soll. Das Tool besitzt Filter, um die Suchergebnisse nach Themen, Kategorien, Ländern und dem richtigen Datenformat einzugrenzen.

Die europäischen Bemühungen um die Weiterverwendung der Daten des öffentlichen Sektors gehören zur Initiative „digitaler Binnenmarkt für Europa“. Sie umfasst Finanzierungen für die Entwicklung des „digitalen Europas“ und verwandte Themen wie Online-Transaktionen und E-Commerce-Plattformen. Der „freie, nicht personenbezogene Datenverkehr“ zwischen den Mitgliedstaaten, spezifische Regeln für die Top-Level-Domain .eu und Aspekte im Zusammenhang mit dem Schutz personenbezogener Daten ebenfalls dazu.